Mitte Juli 2018 zog es uns in den Südwesten in die Grafschaft Kerry, genauer gesagt auf die Dingle Halbinsel. Dort, wo das Festland auf den Ozean trifft, entfaltet sich die wahre Schönheit der Dingle Peninsula. Man nennt sie auch Südwestirlands letztes Juwel, das am westlichsten Punkt des irischen Festlands endet. Neben diesem standen für heute aber auch noch weitere Highlights im Westen der Dingle Peninsula auf dem Plan: eine faszinierende, verlassene Inselgruppe, ein besonderer Strand sowie die gleichnamige Hauptstadt der Halbinsel.

Verlassene Inseln

Nach ca. 3,5 Stunden Fahrt von unserem Zuhause in Clare auf die Dingle Peninsula, wo alles herrlich blühte, gelangten wir zum winzigen Hafen in Dunquin. Dieser erinnert mich immer ein wenig an Szenen aus Game of Thrones. Auch die dreieckigen, pyramidenförmigen Felsformationen im Wasser kurz vor dem Land muten surreal an und wirken wie hier her gesetzt. Kaum zu glauben, dass die Natur solche Formen zustande bringt. Nicht umsonst dienen sie gemeinsam mit dem markanten Weg zum Dunquin Pier als ein beliebtes Fotomotiv. In der Ferne konnten wir die Silhouette einer großen Inselgruppe erkennen. Die Blasket Islands sind die westlichsten Inseln Irlands und ragen 5 Kilometer vor der Küste aus dem wilden Atlantik.

Von hier aus fuhr uns und ein paar weitere Ausflügler ein kleines Fährboot innerhalb von 20 Minuten hinüber auf die größte der Inseln. Allein die Überfahrt war schon ein Erlebnis für sich, denn der atlantische Ozean ist selbst im Sommer selten ruhig und so schipperten wir froh und munter über die Wellen. Die frische Brise tat echt gut bei diesen sommerlichen Temperaturen! Von hier aus konnten wir einen Blick auf die berühmte Insel Skellig Michael werfen. Da das Fährboot weder am Anleger des Dunquin Harbour, noch an dem der Great Blasket Island anlegen kann, wechselt wir jedes Mal von einem kleineren Schlauchboot ins Fährboot und umgekehrt. Es fühlte sich an wie ein richtiges, kleines Abenteuer.

Die 6 Kilometer lange und 1,2 Kilometer breite Great Blasket Island ist das meistbesuchte Eiland der Inselgruppe. Wir hatten nun 3,5 Stunden Zeit die Insel zu erkunden. Man findet hier vor allem verlassene Siedlungen der ehemaligen Inselbewohner, die sich spätestens 1953 gegen das harte, beschwerliche Leben hier entschieden und aufs Festland zogen. Trotzdem soll es wohl den ein oder anderen Hartgesottenen geben, der hier den Großteil des Jahres verbringt.

Panorama-Blick von der Insel in Richtung Festland | Panoramic view from the island towards the mainland

Ein kostenloser Tour-Guide führte uns durch das zerfallene, ehemalige Dorf und erzählte uns viel über das damalige Leben hier. Es war gezeichnet durch harte Arbeit, Verzicht und Auskommen mit dem Mindesten. Man lebte nach den Regeln der Natur, genauer genommen  nach den Regeln der atlantischen Stürme und Fluten, die es teilweise monatelang nicht möglich machte, mit den einfachen Booten aufs Festland überzusetzen, um notwendige Dinge zu besorgen. Wenn man durch die Ruinen läuft, wo einst bis zu 176 Menschen gelebt haben, kann man sich gut vorstellen, wie einsam und hart das Leben hier gewesen sein muss.

Für einen Eindruck vom Leben auf den Blasket Islands im Jahr 1938 hier klicken.

Auch jede Menge Tieren kann man hier begegnen und beobachten, z.B. Schafe, Esel und Meeresvögel, darunter auch Puffins. Natürlich waren mal wieder keine Puffins da, als wir auf der Insel waren. Bisher hatten wir einfach noch kein Glück, diese besonderen Vögel persönlich zu sehen. Dafür hatten wir aber das Glück, dass gerade ganz viele Robben um die Insel herum zu sehen waren. Vereinzelt ließen sich sogar ein paar am wunderschönen, weißen Sandstrand der Great Blasket Island, dem Trá Bán, anspülen. Zu nah durfte man ihnen allerdings nicht kommen, weil sie dann sofort Reißaus nahmen. Später erfuhren wir, dass die größte Kegelrobben-Kolonie Irlands hier sogar heimisch ist.

Unsere Zeit auf der Insel verging wie im Fluge. Wir genossen die Abgeschiedenheit, Ruhe und Ursprünglichkeit dieses verlassenen Eilands sehr. Das am westlichsten gelegenste Café Europas sorgt für Verpflegung, sollte man an sein Lunchpaket nicht gedacht haben. Es gibt hier sogar neuerdings 5 renovierte Cottages, in denen man übernachten kann. Es ist zwar mit einem Preis ab 130€ pro Nacht und Person nicht gerade günstig, aber sicher fühlt es sich abenteuerlich an, fast allein auf einer verlassenen Insel zu wohnen.

Wieder auf dem Festland angekommen, genossen wir noch einmal den einmaligen Ausblick vom Dunquin Pier aus auf die Great Blasket Islands, von dem wir uns nur schwer losreißen konnten.

Europas äußerster Westen

Wir folgten dem Slea Head Drive, einer szenischen, außerordentlich schönen Rundstraße entlang Dingles Westküste, von Dunquin Pier entgegen dem Uhrzeigersinn. Nach gerade einmal 5 Minuten Fahrt gelangten wir zu unserem nächsten Ziel – dem Coumeenoole Beach. Die malerische Bucht lädt bei Ebbe und heißem Sommerwetter zum Baden ein und diente sogar schon als Filmkulisse. Von oben sah das Wasser an diesem Tag richtig schön Türkisblau aus und zog uns magisch an. Da wir bereits zuvor auf der Great Blasket Island im Wasser waren, gingen wir nur kurz die Treppen der Steilküste hinab, um unsere Füße ins klare, kalte Wasser zu halten und einen Eindruck von der Atmosphäre hier unten zu erhaschen.

Gleich neben diesem wirklich schönen Strand liegt ein bedeutsamer Ort namens Dunmore Head. Er ist der westlichste Punkt des irischen und gleichsam des europäischen Festlands. Sprich nirgendwo sonst in Europa ist man so nah am amerikanischen Kontinent dran wie hier.

Auf dem Weg zu unserer letzten Destination für heute, hielten wir noch einmal am offiziellen Aussichtspunkt auf die Blasket Islands namens Blasket’s View, auf Irisch Radharc Na Blascaodaí.

Ein weiterer Zwischenstopp erfolgte am weitläufigen Fionn Tra Bay Beach in Ventry, wo Falk mal wieder Steine übers Wasser hüpfen (auf Sächsisch ditschen) ließ.

Das schlagende Herz der Halbinsel

Die Dingle Peninsula hat ihr Zentrum im gleichnamigen, charmanten Städtchen Dingle, das wir am Abend erreichten. Lange Zeit galt es als Anziehungspunkt für Alternative und Künstler jeder Art. Weltweite Berühmtheit erlangte es auch durch den 37 Jahre lang ortsansässigen Delfin Fungie, der hier bis Oktober 2020 täglich auf Bootstouren bestaunt werden konnte. Auch wir hatten die Ehre, ihn zu treffen (siehe dieser Blogbeitrag). Eine Bronzestatue erinnert an den beliebtesten Einwohner Dingles, der uns allen fehlen wird.

In der bezaubernden, von ihrem Hafen gesäumten, farbenfrohen Kleinstadt gibt es viele Pubs, Restaurants, kleine Geschäfte sowie Pubs, die gleichzeitig als Geschäfte genutzt werden. Spätestens in diesem Ort erliegt jeder Urlauber dem Charme der Insel. Auch wenn Dingles Straßen im Sommer oft von Touristen überlaufen sind, versprüht das künstlerische Hafenstädtchen alljährlich eine ganz besondere Anziehungskraft.

So flanierten auch wir durch die bunten Straßen und Gassen von Dingle, auf der Suche nach besonders schönen Fotomotiven, aber auch auf der Suche nach einem geeigneten Gastropub für unser wohlverdientes Abendessen. Die vorherigen Ausflüge an diesem langen Sommertag hatten uns sehr hungrig gemacht. In Danno’s Bar & Restaurant, einem urigen Gastropub mit einladender Atmosphäre nahe des Hafens von Dingle, wurden wir schließlich fündig.

Kurz vor Sonnenuntergang machten wir uns wieder auf den Heimweg. Viele weitere sommerliche Ausflüge mit unseren zahlreichen Gästen sollten noch folgen.

Slán,
Verena & Falk

2 Gedanken zu „Wild Wild West

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.