Zu Beginn unseres Irland-Auslandjahres schrieb ich eine Liste dessen nieder, was ich in diesem Jahr alles erlebt, erlernt oder erreicht haben möchte, wofür ich meine Zeit verwenden möchte und wofür nicht. Jetzt, nach genau einem Jahr Aufenthalt in Irland (WTF???) ist es an der Zeit, für mich eine erste Bilanz zu ziehen, auch wenn es noch nicht ganz vorbei ist.

Es ist kaum zu glauben, wie die Zeit verflogen ist, obwohl uns vorher schon vollkommen bewusst war, dass sie schnell vergehen wird. Genau 365 Tage seit unserer Ankunft spätabends in Lahinch sind bis zum heutigen Tag vergangen. Im Nachhinein fühlt es sich aber immer nochmal krasser an, wie ein Fingerschnips und – schwupps –  ein Jahr ist rum. Puh! Es kommt uns definitiv nicht vor wie ein Jahr, eher wie ein halbes. Das liegt sicherlich vor allem daran, dass wir das erste halbe Jahr komplett nur mit Reisen und Gästen verbracht haben und erst danach der „Ernst des Lebens“ ein Stück weit anfing. Besonders das erste Halbjahr verging so wie im Fluge. Die zahlreichen Ausflüge sind zeitlich im Kopf schwer einzuordnen, alles verschwimmt zu einer schwer einzuordnenden Masse an Eindrücken und Erinnerungen. Gott sei Dank haben wir viele Fotos gemacht, Reisetagebuch geführt und vieles dokumentiert, um es im Nachhinein nachvollziehen und sich an alle Details erinnern zu können! Meine größte Angst ist es, Dinge zu vergessen – deshalb fotografiere ich so viel. Ich kann mich so viel besser und detaillierter erinnern. Darüber gibt es ganz passende Zitate, die ich sehr zutreffend finde, zum Beispiel folgendes:

„Ohne Fotografie ist der Moment für immer verloren, so als ob es ihn nie gegeben hätte.”

– Richard Avedon

Genauso sehe ich das auch und deshalb ist ein wichtiger Punkt meiner Irland-Löffel-Liste eigentlich auch schon abgehakt…

🗹 Viel (professionell) fotografieren

Es war und ist mir sehr wichtig, mein Hobby der Fotografie, im speziellen der Landschaftsfotografie, in diesem Jahr ganz intensiv auszuprobieren und mich so Schritt für Schritt zu verbessern. Dafür musste natürlich auch neues (teures) Equipment ran. Also erfüllte ich mir meinen lang gehegten Wunsch, mir meine Traumkamera (Canon EOS 5D Mark III), mit der ich schon während meines Studiums in der Uni viel gefilmt und fotografiert hatte,  zuzulegen. Darauf musste ich ziemlich lange sparen. Dazu noch ein Weitwinkelobjektiv, einen Kamerarucksack, diverse Filter und was man eben sonst noch so alles benötigt.
Irland bietet die perfekte Voraussetzung dafür, Landschaftsfotografie zu praktizieren und zu üben. Überall gibt es neue, überraschende Motive, tolles Licht, Wolkenspiele und viele Regenbögen. Natürlich ist das Wetter auch eine echte Herausforderung – immer muss man auf der Hut vor dem nächsten Schauer oder gar Sturm sein, vor allem in den Küstenregionen. Da weht einem leicht auch mal das Stativ samt Kamera um, wenn man nicht aufpasst. So ging es uns übrigens auch bei unserem kürzlichen Shooting für die in diesem Beitrag verwendeten Bilder an den Cliffs of Moher.

So viel Spaß es auch macht, herumzuexperimentieren, so frustrierend kann es auch manchmal sein, die Fotos anderer Fotografen zu sehen, die Irlands Landschaften mehr oder weniger professionell fotografieren. Natürlich ist man versucht, genauso gute Fotos hinzubekommen. Dabei vergisst man, dass diese Fotografen dies oft hauptberuflich tun, jedes Bild gezielt vorplanen und sich viel Zeit nehmen, um vor Ort auf den richtigen Moment mit dem perfekten Licht zu warten.
Diese Zeit haben Normalsterbliche in der Regel nicht, man macht das Foto, wenn man eben gerade vor Ort ist. Deshalb trifft der Begriff Reisefotografie vielleicht eher auf meine Fotos zu. Jedoch habe auch ich einige Fotos gemacht, für dich ich mir mehr Zeit genommen habe. Falk musste bisher schon oft auf mich warten und ungeduldig daneben stehen. Meistens ging er einfach voraus und ich kam irgendwann hinterher geeilt. :mrgreen: Er kümmert sich übrigens immer um die Drohnenaufnahmen. Wenn er fliegt, muss ich also auch mal warten. 😉
Einigen wir uns also darauf, dass es ein Zwischending zwischen Hobby-Reise- und professioneller Landschaftsfotografie ist. Ich würde allerdings mal wahnsinnig gern eine Reise oder einen Workshop machen, wo man gezielt Motive vorplant uns sich ganz viel Zeit für das Foto nehmen kann. Am liebsten würde ich mal die Polarlichter fotografieren!

Wir beide auf die Cliffs of Moher blickend nach genau 1 Jahr in Irland | Us two viewing the Cliffs of Moher after exactly 1 year in Ireland

🗹 Einen Blog betreiben

Wenn man von Fotos redet, ist dieser Punkt auf meiner Irland-Löffel-Liste nicht weit entfernt. Bereits vorab war klar: Wir möchten einen Reiseblog für Familie, Freunde, Bekannte und alle, die es sonst noch interessiert, betreiben. Dafür wurde schon vor der Abfahrt der Grundstein gelegt – ein Name überlegt, eine Domain gekauft, eine Webseite samt Lade-Animation kreiert. Und ich habe es nicht bereut! Allerdings so viel Spaß es auch macht, einen Reiseblog zu betreiben, so viel Arbeit macht es auch. Im Vornherein hätte ich niemals gedacht, dass es SO aufwendig und zeitintensiv wird. Das merkt man leider auch daran, dass ich mit den Beiträgen viele, viele Monate hinterherhinke. Wenigstens kann ich so bestimmt noch ein Jahr nach unserer Rückkehr in Erinnerungen unseres Auslandsjahres schwelgen und davon berichten – wenn nicht sogar noch länger!
Selbst wenn keiner weiter unseren Blog lesen sollte, bereue ich es nicht, so viel Arbeit hineinzustecken. Denn für uns fungiert diese Dokumentation als Möglichkeit, auch später immer wieder in diese großartige und einmalige Zeit einzutauchen. Dieser Blog ist eine Art Zeitmaschine für uns. Die Fotos verstauben dann nicht in irgendeiner Schublade oder noch schlimmer auf irgendeiner Festplatte. Nein, die Erinnerungen sind alle fein säuberlich aufgearbeitet immer und von überall nachlesbar. Allein das ist es mir wert!
Natürlich hoffe ich trotzdem, den einen oder anderen mit den Berichten und Bildern abholen, begeistern oder gar inspirieren zu können. 🙂

🗹 Ein eigenes kleines irisches Cottage finden

Diesen Punkt konnten wir eigentlich als allererstes von der Liste abhaken. Wir hatten ja direkt zwei Wochen nach unserer Ankunft in Lahinch das große Glück, ein mehr oder weniger kleines, altes irisches Steincottage zu finden. Die Lage ist bis auf den fehlenden Meerblick ideal und der Preis fair. Wir hätten es uns nicht besser ausmalen können!
Falls es jemanden gibt, der noch neu hier ist und diesen Beitrag vor allen anderen liest: Es gibt einen Blogbeitrag über unsere Haussuche („The House Hunt“) sowie über unser Cottage selbst („Our little Irish Cottage“). Ist vielleicht ganz interessant für diejenigen, die auch mal vorhaben länger in Irland zu leben und nicht so recht wissen, wie sie die Haussuche anstellen sollen bzw. was auf sie zukommt.

🗹 Jede Woche etwas Neues sehen

Insbesondere in den ersten Wochen und Monaten hier in Irland war der Drang, Neues zu sehen und ständig auf Entdeckungstouren zu gehen, sehr groß. Wie bei so vielem im Leben ließ auch dieser Drang nach einer Weile etwas nach, sodass aus fast täglichen Ausflügen irgendwann ein Ausflug pro Woche und mittlerweile eher durchschnittlich ein großer Ausflug alle zwei Wochen geworden ist. Das liegt jedoch keineswegs daran, dass wir genug von Irland haben oder dass wir gar alles gesehen hätten. Erst lag es an mangelndem Geld, denn das Ersparte war nach einem halben Jahr Aufenthalt ohne Job so gut wie aufgebraucht. Später lag es an mangelnder Zeit, denn ein Vollzeit-Job geht zwar mit mehr Geld, leider aber auch mit viel weniger Zeit für Ausflüge einher und nicht an jedem Wochenende hat man Kraft und Lust dazu, permanent „on the road“ zu sein. Der finanzielle Aspekt spielt natürlich auch noch mit rein.
So oder so, wir haben schon soooo viel von Irland gesehen – mehr als so mancher Ire je von seinem eigenen Land gesehen hat, wie uns schon mehrmals versichert wurde. Klar ist noch vieles unentdeckt geblieben, vor allem im Landesinneren, aber wir sind noch dabei. Und ganz ehrlich? So richtig alles abgrasen wollen wir dann doch nicht, sonst gäbe es ja nichts Neues mehr zu entdecken für unsere zukünftigen Urlaube hier. 😉

🗹 Irish Dance lernen

Tatsächlich können wir auch diesen Punkt von der Liste abhaken. Zwar sind wir noch mitten im Tanzkurs, aber bereits seit Oktober also seit fünf Monaten gehen wir (fast) jeden Montagabend mit einer bunt gemischten Truppe von bis zu 16 Personen für eineinhalb Stunden das Tanzbein schwingen. Und auch wenn die traditionelle irische Musik mit ihrem Gefiedel und Gedudel für das nicht-irische Ohr auf Dauer etwas gewöhnungsbedürftig oder gar anstrengend ist und die Schritte und Figuren sich von deutschen Standard-Tänzen ziemlich unterscheiden, so macht es doch eine Menge Spaß! Was wir da genau machen, nennt sich Irish Set Dance, nicht zu verwechseln mit dem irischen Showtanz aka Riverdance. Set Dance zählt zu den Gesellschaftstänzen, die man mit einem Partner in einem aus 8 Personen bestehenden Set tanzt. Dieses Set ist kreisförmig angeordnet und es gibt viele verschiedene regional sehr unterschiedliche Sets, die man tanzen kann. Wir lernen in unserem Tanzkurs drei verschiedene Sets – das Caledonian Set, das Clare Plain Set und das Connemara Set. Bisher haben wir das vollständige Caledonian Set und schon fast das komplette Clare Plain Set gelernt.

In seinen Grundzügen kann man den Set Dance so beschreiben: Es gibt 4 Paare, die im Kreis angeordnet stehen. Sich gegenüber stehende Paare tanzen immer gleichzeitig – es gibt die Tops, die zuerst tanzen und die Sides, die als zweites tanzen. Während die eine Hälfte tanzt, steht die andere Hälfte bei den meisten Figuren da und sieht zu. Das ist auch echt gut so, denn nach einer Weile kommt man ganz schön ins Schwitzen! Bei manchen Figuren und auf jeden Fall zu Beginn und zum Abschluss jeder Figur tanzen aber alle gemeinsam. Ein kompletter Set-Dance setzt sich aus mehreren Figuren zusammen, welche unter anderem als Reels, Jigs oder auch Hornpipes bezeichnet werden. Diese unterschiedlichen Bezeichnungen weisen auf verschiedenen Takt und verschiedene Schrittmuster hin. Im Caledonian Set zum Beispiel sind die ersten drei Figuren Reels, dann folgt ein Jig, dann noch eine Reel-Figur und zum Abschluss die Hornpipe. Es klingt kompliziert, im Prinzip sind die Schritte (zumindest die Grundschritte ohne den irischen Feinschliff der Fußbewegungen) recht simpel. Das schwierige ist es, die Schrittfolge innerhalb der komplexen Figuren zu verinnerlichen und alle Figuren in der richtigen Reihenfolge abzurufen.

Möchte man den Set Dance nicht nur im Tanzkurs, sondern im „Real Life“ anwenden, dann muss man zu einem Ceili gehen, einem Tanzabend, wo viele, viele Menschen in einer Riesenhalle zu Live-Musik alle zu 8 im Set tanzen. Das sieht ziemlich spannend aus. Hier habe ich mal ein Video von einem Ceili, wo das Caledonian Set getanzt wurde, verlinkt. Wir waren noch auf keinem Ceili, weil wir noch nicht mal zwei ganze Sets beherrschen. Wenn es aber demnächst so weit ist, wollen wir unbedingt auch mal wissen, wie es da so ist, und diese Atmosphäre genießen! 🙂

🗹 Ein bisschen Irisch lernen

Neben einem Irish Dance Kurs hatte ich mir auch vorgenommen, einen Sprachkurs für Irisch zu belegen. Um es kurz zu machen: Ich bin einmal hingegangen, hab es dann aber gelassen. Ganz ehrlich? Es ist eine viel zu schwierige Sprache, als dass ich als Deutsche hätte mit den ganzen anwesenden irischen Müttern, die Irisch zumindest damals mal in der Schule hatten oder es oft von Ihren Kindern hören, mithalten können. Bei dem Kurs, den ich einmalig mitgemacht habe, konnte ich jedoch einige Redewendungen oder Sätze aufschnappen und für mich mitnehmen. Dabei habe ich gemerkt, dass diese Sprache komplett anders geschrieben wird, als sie gesprochen wird. Das macht es an sich schon mal sehr schwierig.
Ein kleines Beispiel: Um einfach nur „Danke“ zu sagen braucht es im Irischen gleich vier (!!!) Wörter: „Go raibh maith agat“. Gesprochen klingen das ungefähr so: „Goräfmahagot“.
Dann gibt es zusätzlich mir unerklärliche Regeln (oder auch nicht?!), wann etwas wie ausgesprochen/geschrieben wird. Also ein und dasselbe Wort ändert sich je nach Kontext.
Zusätzlich sprach die Irisch-Lehrerin sehr schnell auf Irisch und dann ohne Pause ging sie ins Englische über, was – wenn man schon mal in Irland war – auch ziemlich Irisch klingt und deshalb für ungeübte Ohren schwer so schnell auseinander gehalten werden kann. Es war eine echte Herausforderung, auch nur annähernd mithalten zu können!
Die Lehrerin und die anwesenden Teilnehmerinnen waren sehr nett, jedoch habe ich mich so überfordert gefühlt, dass ich mich gegen das Weiterführen des Kurses entschieden habe. Neben den kleinen Schnipseln, die ich vorher schon wusste, kann ich jetzt allerdings noch Dinge auf Irisch sagen, wie „Wie heißt du?“ –  „Mein Name ist Verena“, „Kann ich eine Tasse Tee bekommen“, „Danke“ und Gerngeschehen“, „Mach das Licht aus!“ oder „Ich bin Grafikdesignerin“. Immerhin!

Meine Irland Bucket-Liste | My Ireland Bucket List

🗹 Interessante Leute kennenlernen

Klar, wenn man in ein fremdes Land zieht, kommt man automatisch mit den verschiedensten Leuten in Berührung. Darunter gibt es wie überall herzliche und weniger herzliche, sympathische und weniger sympathische, interessante und weniger interessante Menschen.
Zu den interessantesten Menschen, die wir bisher getroffen haben, gehört definitiv ein alter Mann, dem wir bei einem Spaziergang im riesigen Park des Castle Ward im County Down in Nordirland zufällig über den Weg gelaufen sind. Er erzählte uns eine Menge über die schwierige Vergangenheit hier und die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der englischen Besatzung und den irischen Anwohnern, die noch bis in die 90er Jahre angehalten haben sollen. Im Prinzip erzählte er uns, fremden Menschen, die ihn zufällig beim Spaziergang mit seinem Hund entgegen kamen, seine halbe Lebensgeschichte. Diese war jedoch so interessant, dass wir uns trotz Zeitdruck gern aufhielten ließen. Wenn es so weit ist, und ich den Blogbeitrag über diesen Ausflug nach Nordirland schreibe, werde ich mehr dazu erzählen.
Ich denke vor allem die älteren Menschen in Irland haben eine Menge gesehen und eine Menge zu erzählen. Leider sterben ihre interessanten Geschichten oft mit ihnen aus, genau wie die irische Sprache und Lebensweise langsam immer weiter in Vergessenheit gerät…

🗹 Ein paar gute Freunde finden

Wenn man sich sein Auslandsjahr vorher so ausmalt, dann denkt man „Ich werde eine Menge neuer Freunde und Bekanntschaften fürs Leben finden“. Während des Studiums hat es schließlich auch ganz einfach geklappt, neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Komplett offen und optimistisch sind wir an die Sache auch rangegangen. Die Realität sieht jedoch anders aus – wir haben hier ein ganz paar Bekannte, seien es Nachbarn, Tanzpartner, Arbeitskollegen usw., gefunden. Freunde hingegen schließt man in Irland nicht so schnell und nicht so einfach, erst Recht nicht auf dem Land. Wir sind nicht die einzigen „Einwanderer“, denen das aufgefallen ist. Zwar sind die Iren, die mit Touristen in Berührung kommen, sehr herzlich, warmherzig und freundlich, jedoch sieht das im Alltag schon etwas anders aus. Ist man kein Tourist, ist es nicht so einfach wirklich an sie heranzukommen. Es bleibt meist bei oberflächlichen Gesprächen über das Wetter oder über die Arbeit. Möchte man hier echte Freunde finden, scheint es sehr viel Zeit zu brauchen und da reicht ein Jahr eben einfach nicht aus. Dazu kommt, dass es immer schwieriger wird Freundschaften zu schließen, je älter man wird. Die meisten Menschen haben schon ausgeprägte Freundeskreise und gar keine Lust oder Zeit, irgendwelche daher gelaufenen Deutsche, die sowieso nur ein Jahr oder so da sind, darin aufzunehmen. Viel zu anstrengend! Dennoch kann ich mittlerweile wenigstens eine Person aus Irland zu meinen Freunden zählen und darüber bin ich auch echt froh. 🙂

🗹 In viele verschiedene Pubs gehen & Cider probieren

Bevor wir nach Irland gezogen sind, waren wir echte Irish Pub-Freaks. Die wenigen Irish Pubs, die Berlin zu bieten hat, hatten wir schnell durchprobiert und auch die dort angebotenen Cider und Biere gekostet. Leider gibt es da keine allzu große Auswahl. Wir nahmen uns also vor, jedes Wochenende in Irland in einen (neuen) Pub zu gehen und uns durch die Getränkekarte durchzutesten.
Nun ja, hätten wir das wirklich gemacht, wären wir jetzt wohl zwei Dinge: pleite und Alkoholiker.
Ja klar, am Anfang sind wir noch häufiger in Pubs gegangen, um uns die Live-Musik anzuhören und mal ein, zwei Getränke zu genießen. Wir sind mittlerweile Kenner der meisten irischen Cider geworden und wissen genau, welcher wie schmeckt, welchen wir empfehlen können und welchen nicht. Bald war dafür aber das Geld nicht mehr da und auch die Lust hielt sich in Grenzen. Wenn Besuch da war, gingen wir natürlich immer mit ihnen in Pubs. Alleine kommt das jetzt aber nur noch echt selten vor. Eigentlich schade, denn zurück in Deutschland werden wir keine so schöne und vielfältige Pubszene mehr vorfinden. Wir sollten es nochmal mehr ausnutzen, bis es leider wieder zurückgeht!

🗹 Viel Zeit für Offline-Hobbies nehmen

In unserem Alltag in Deutschland nahm ich mir einfach keine Zeit für mich selbst, Sport mal ausgenommen. Meine alten Hobbies blieben auf der Strecke. Für die Auszeit in Irland nahm ich mir vor, mir neben dem Blog und der Fotografie wieder mehr Zeit für meine Offline-Hobbies, z.B. Gitarre spielen, Lesen oder Nähen, oder für neue Hobbies, wie Handlettering, zu nehmen. Wann wenn nicht jetzt? Das hat auch ganz gut geklappt. Auch wenn ich mich immer wieder beim To-Do-Listen-Schreiben ertappe und immer erst die Arbeit erledigen möchte, bevor ich mir meine Hobbies gönne, so kam ich in diesem Jahr doch wirklich schon viel mehr dazu, sie auszuüben. Klar, mehr geht immer, aber so bin ich doch recht zufrieden.

🗹 Viel Bewegung, z.B. Yoga, Wandern,…

Neben handwerklichen Offline-Hobbies nahm ich mir auch vor, Yoga wieder regelmäßiger zu praktizieren und mich draußen in der Natur aufzuhalten und beispielsweise zu wandern.
Da ich es mir nicht leisten konnte, in eines der vielen Yogastudios vor Ort zu gehen, entschied ich mich für Yoga zu Hause. Dafür kann ich jedem nur den Youtube-Kanal von Mady Morrison empfehlen. Durch sie habe ich die Liebe zu Yoga wiederentdeckt und entspanne oft täglich dabei. Das tut meiner Seele und meinem Körper (vor allem meinem Rücken) echt gut!
Was das wandern angeht, bin ich zwar deutlich mehr wandern gewesen als sonst, aber Spazieren ist mir doch wesentlich lieber als das Wandern auf Berge. Mit Bergen hab ich es irgendwie nicht so. Könnte auch an meiner Höhen-/Fallangst liegen. Wobei es wirklich schöne Klippenwanderpfade oder Wanderwege durch Nationalparks gibt, die wir sehr empfehlen können!

🗹 So viel wie möglich raus, an die frische Luft, die Natur genießen

An diesen Vorsatz haben wir uns definitiv gehalten. Auch wenn es nicht selten Regentage gab, an denen wir nur drinnen gehockt haben, waren wir so viel draußen an der frischen Luft und in der Natur wie seit unserer Kindheit nicht mehr. Wenn vor die Tür gehen gleichbedeutend ist mit in die Natur gehen, ist es auch gar nicht so schwer, sich daran zu halten. 😉 Unser Haus ist von drei Seiten mit Natur pur umgeben – grüne Wiesen voller Kühe und Ziegen. Dazu ein großes Rasengrundstück, in dem wir im Sommer oft Hurling (irische Hockey-ähnliche Sportart) gespielt haben oder einfach nur draußen saßen, ob zum Essen oder zum Arbeiten. Außerdem ist der Atlantik nicht weit entfernt und lädt uns noch immer wöchentlich auf einen Spaziergang am Strand entlang ein. Nicht zu vergessen, unsere zahlreichen Ausflüge, die uns immer wieder in die wunderschöne, abwechslungsreiche Natur Irlands führen.

Einen Teilzeit-Job finden

Obwohl wir dieses Jahr als Auszeit angesehen haben, war uns bewusst, dass wir an irgendeinem Punkt (zusätzlich zu meinen Einkünften aus meinem Homeoffice-Job bei meiner Berliner Arbeitsstelle) sicherlich auf einen weiteren Zuverdienst angewiesen sein würden. Zumindest ich nahm mir vor, mir nach etwa einem halben Jahr einen Teilzeit-Job zu suchen und so schickte ich zahlreiche Bewerbungen raus, hing Aushänge auf, fragte herum.

Tja, was soll ich sagen? Nicht alle Punkte von der Liste können abgehakt werden. Auf meine Bewerbungen habe ich nur in Ausnahmefällen eine Antwort erhalten und wenn, dann war sie negativ. Woran das liegt, lässt sich nur spekulieren. Ich schätze, dass man als irischer Arbeitgeber lieber einen Iren einstellen möchte, der auch sicher hier wohnen bleibt, anstatt eine deutsche „Einwanderin“, die bald wieder weg ist. Vielleicht lag es auch an meinem Geschlecht oder an meinem Berufsfeld, wofür es keine große Nachfrage gibt. Wer weiß das schon?

Während es bei mir überhaupt nicht klappen wollte, schrieb ich aus Verzweiflung mit/für Falk nur zwei Bewerbungen und er hatte direkt einen Job. Und zwar keinen Teilzeit- sondern einen Vollzeit-Job! Nicht unbedingt so, wie der Plan eigentlich war… Aber wann läuft das Leben schon mal nach Plan? Falk meinte letztens mit Humor, auf seiner Löffel-Liste stand eigentlich nur eins: Ein Jahr nicht arbeiten. Und das hat er zielgerichtet NICHT abhaken können… Der Arme! Aber eigentlich findet er es gar nicht so schlimm, die Arbeit macht ihm größtenteils Spaß, er hat entspannte Arbeitszeiten und nette Kollegen, hat viel Entscheidungsfreiheiten und die Möglichkeit, seine Fähigkeiten zu erweitern.
Das hätte ich zwar auch gern gehabt, aber es ist okay. So lange ist es ja nicht mehr hin, bis wir wieder zurück sind.

🗹 Mich nicht unter Druck setzen & glücklich sein

Zugegeben, ein ambitionierter und schwieriger Punkt auf meiner Löffel-Liste. Denn als perfektionistischer, viel grübelnder Mensch, der sehr hohe Erwartungen an sich selbst hat und selbst sein aller größter Kritiker ist, ist es nicht einfach, sich keinen Druck zu machen und einfach nur glücklich zu sein. Niemand ist durchweg glücklich, nur weil er sich seinen Traum vom Auslandsjahr erfüllt hat und ab und zu ist es mir immer noch nicht leicht gefallen, mich nicht unter Druck zu setzen oder setzen zu lassen. Gerade was das Finden eines Jobs oder von Freunden angeht, war und ist es nicht leicht für mich, die Dinge zu akzeptieren, so wie sie eben nun sind. Ich hatte in diesen Bereichen deutlich höhere Erwartungen, die leider nicht erfüllt werden konnten.
Aber auch bei alltäglichen Aufgaben (da sind sie wieder, die To-Do-Listen!) konnte ich meine deutsche Art oft nicht ablegen. Ich kann jedoch behaupten, dass ich schon etwas gelassener mit Rückschlägen, unerfüllten Erwartungen oder einfach Dingen, die im Leben schief laufen oder einen unter Druck setzen, umgehen kann. Die irische Lebensweise hat mich gelehrt, dass nicht immer alles sofort und perfekt gemacht werden muss und dass es okay ist, Fehler oder auch mal nichts zu machen. Trotzdem, ich bin ich und kann nicht aus meiner Haut. Manche Eigenschaften oder Angewohnheiten wird man einfach nicht los, egal wo man lebt!
Glücklicher bin ich hier in vielen Bereichen aber auf jeden Fall geworden, sei es in der Partnerschaft, in Bezug auf die viele Natur und frische Luft oder in Sachen Zeit für mich. Mein Stresslevel ist hier so niedrig – ich kann mich nicht erinnern, wann ich jemals so wenig gestresst war. Ich sage nicht, dass mich nicht auch manchmal Kleinigkeiten stressen und ich mir nicht immer noch über alles Mögliche den Kopf zerbreche, aber meiner Seele geht es hier definitiv besser. Ich hoffe, ich kann einiges von dieser Ausgeglichenheit zurück nach Deutschland mitnehmen und lasse mich dort nicht mehr so schnell aus der Bahn werfen!

🗹 Gut essen und das Leben genießen

Da wären wir auch schon beim letzten Punkt meiner Irland-Löffel-Liste. Besonders zu Anfang und bei Besuch von Freunden oder Familie ließen wir es uns hier richtig gut gehen. Ständig essen gehen, fast jeden Abend anstoßen. Da wurden keine Kalorien gezählt, sondern es wurde einfach nur genossen! Das machte sich dann auch schnell auf der Waage bemerkbar. Wie ich mehrfach gehört habe, ist das in einem Auslandsjahr aber auch ganz normal. Punkt abgehakt würde ich sagen. 😉

Cliffs of Moher

Ja, das waren sie, die 15 Punkte auf meiner Löffel-Liste für Irland. Ich hatte sie zu Beginn des Einzugs in unser irisches Cottage auf die Rückseite einer Rechnung geschmiert, weil ich gerade kein anderes Blatt Papier zur Verfügung hatte (deshalb habe ich sie nochmal ordentlich in mein Reisetagebuch abgeschrieben). Während des Jahres lag sie in meiner Nachttischschublade, ohne dass ich nochmal einen Blick darauf geworfen habe. Ich wusste also gar nicht mehr so wirklich, was ich alles aufgeschrieben hatte. Ehrlich gesagt, hatte ich ein bisschen Angst, sie wieder rauszukramen, denn ich dachte, ich hätte mir zu viel vorgenommen und nicht wirklich viel abhaken können. Zu meiner Überraschung ist dem nicht so! Ich habe fast alles, was ich mir für dieses Jahr gewünscht und vorgenommen habe, erreicht. Ich kann ein kleines bisschen stolz auf mich sein, selbst wenn nicht alles so geklappt hat, wie ich es mir vorgenommen hatte. 🙂

Mich würde interessieren, ob ich die einzige bin, die so eine Bucket-Liste geschrieben hat, oder ob es noch andere Menschen gibt, die es lieben, Listen zu schreiben und sie abzuhaken? Was steht auf eurer persönlichen Löffel-Liste, sei es fürs ganze Leben oder auch für einen Auslandsaufenthalt? Und habt ihr auch so positive Erfahrungen damit machen können? Ich freue mich über Meinungen und Kommentare!

Slán,
Verena (& Falk)

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