Oscar Wilde beschrieb den Ort, um den es sich diesmal dreht, einst als „wilde Schönheit“. War man einmal dort, weiß man, wovon er spricht. Die Rede ist von Connemara, einer Region im Westen der Grafschaft Galway. Connemara hat unglaublich viele Gesichter. Dies wird besonders am Bildmaterial aus verschiedenen Ecken dieses Landstriches (siehe weiter unten) sichtbar. Von marsähnlicher Moor- und Heidelandschaft, die von tief dunklen Seen durchbrochen wird, über zwölf karge Berge mit samtig braunen Gipfeln (Twelve Bens), bis hin zu mit einsamen weißen (Korallen-)Stränden gesäumter, zerklüfteter Küste ist alles dabei. Connemara hat landschaftlich unheimlich viel zu bieten und ist dabei wild romantisch. Auch wenn dort nicht gerade der Bär steppt, ist es für uns eine der besondersten Ecken ganz Irlands (soweit wir das bisher einschätzen können) und wir sagen immer:

„Wer Connemara nicht gesehen hat,
hat Irland nicht gesehen.“

Es lohnt sich also ein paar Stunden Autofahrt auf sich zu nehmen, um in die noch so entlegensten Ecken dieses wunderschönen Fleckchens Erde zu gelangen!
Kommt mit uns auf einen „kleinen“ Abstecher in dieses Paradies für Freiluftenthusiasten und Landschaftsfotografen…
(Achtung: Der Beitrag ist etwas länger geworden – für Lesefaule nicht geeignet!)

Das Tor zur irischen Welt

Unser erster richtiger Besuch Connemaras fand im April (wieder per Zufallsverfahren) statt. Von Clare aus hat man es Gott sei Dank nicht allzu weit bis dorthin. In 2 bis 2,5 Stunden waren wir schon an unserem ersten Ziel, dem Tor zu Connemara und somit zur Gaeltacht-Region – Spiddal.
Falls sich jetzt jemand fragt, was Gaeltacht (gesprochen: Gueltakt) bedeuten soll, klären wir euch hiermit gern auf: In Gegenden wie Connemara ist die Hauptsprache noch Irisch bzw. Gälisch. Keine Sorge, mit Touristen wird dort auch Englisch gesprochen! Weitere Gaeltacht-Regionen befinden sich fast ausschließlich im Westen Irlands. Mit der irischen Sprache sind auch alte irische Traditionen und Lebensweisen verbunden, die dort noch eher als in englischsprachigen Teilen des Landes beobachtet werden können. Auf dem Galway Film Fleadh sahen wir neun Kurzfilme von in Westirland lebenden Regisseuren über genau dieses Leben in westirischen Gaeltacht-Regionen an und erlangten dadurch einen speziellen Einblick. Doch dazu ein andermal mehr!

Im kleinen Café der Spiddal Craft & Design Studios tankten wir unsere Kräfte nach der Fahrt erstmal mit einem leckeren Cappuccino auf. Anschließend fuhren wir eine lange, gerade, durch eine marsähnliche rot-braune Landschaft führende Straße – wir fühlten uns fast wie auf der Route 66, nur in kleineren Dimensionen – zu einem Ort namens Cnoc Suain. Dort wollten wir uns ein restauriertes strohgedecktes Haus aus der Zeit vor der Großen Hungersnot (Mitte des 19. Jahrhunderts) ansehen, um so einen Einblick in das damalige Leben in den Hügeln Connemaras zu erhaschen. Leider war die Einfahrt verschlossen, wir waren wohl noch zu zeitig dran. Die Touristensaison beginnt in Irland ja schließlich erst frühestens im Mai. Schade, aber die Fahrt dorthin und zurück war schon allein einen Besuch wert. Die unwirkliche Landschaft veranlasste uns dazu einige Fotos und Drohnenaufnahmen zu schießen.

 

An der Küste entlang von Spiddal zum Mace Head

Von dort aus folgten wir der gewundenen Küstenstraße. Die Landschaft veränderte sich nun auf spektakuläre Art und Weise – aus kargem Moor- und Heideland wurde allmählich eine zerklüftete Küste. Schließlich gelangten wir zu einem Strand, der gänzlich aus Muschel- und Korallenteilchen besteht, dem Trá an Dóilín, auch Coral Beach genannt. Dort verbrachten wir eine Weile mit dem Bestaunen des Bodens, dem Sammeln von Muscheln und dem Fotografieren von besonders schönen Motiven. Wir waren ganz allein an diesem Strand, der uns in seinen Bann zog, sodass wir kaum weg wollten, aber es stand noch so viel mehr auf unserem Plan…

Wir folgten der malerischen Straße und legten einen kurzen Abstecher zu einer der drei kleinen, flachen, vorgelagerten Inseln namens Lettermore ein, die über zwei Steinbrücken vom Festland aus zu erreichen ist.
Von dort ging es wieder zurück auf die Hauptstraße und Richtung Norden zur wilden Landzunge „Mace Head“. Dazu mussten wir aber erstmal über viele huckelige, enge Wege durch die Gegend irren. Irgendwann gelangten wir zu einer Atmosphärischen Forschungsstation der Universität von Galway und machten Halt. Anscheinend gab es keinen festen Aussichtspunkt für den Mace Head. Also stiegen wir hier einfach aus und gingen ein paar Schritte zu einem erhöhten Punkt, um eine gute Aussicht auf diesen Abschnitt zu bekommen. Ein Netz aus niedrigen Steinmauern, das sich durch die Weidelandschaft zieht, fällt hier zur Küste hin ab. Die Gegend ist bis auf ein paar Rinder und anderes Nutztier hier und da nicht besonders dicht besiedelt.

 

Gelb, gelb, gelb sind alle meine Kleider

Auf dem Weg zu unserer nächsten Destination begegneten wir ein paar zotteligen Eseln und einigen schwarzköpfigen und -beinigen Connemara-Schafen, die vor uns auf der Straße liefen. Die Farbe Gelb dominiert zu dieser Jahreszeit das Gesamtbild der Region. Die Felder sind noch nicht sehr grün, alles wirkt eher bräunlich, aber überall blühen leuchtend gelbe Blumen und Sträucher, die alle Blicke auf sich ziehen.

Schließlich gelangten wir zu Roundstone, einem urigen, typisch irischen Fischerdorf mit einem kleinen Hafen voller bunter Boote. Hier kann man die Hummerfischer bei ihrer täglichen Arbeit ganz in Ruhe beobachten.

Nur wenige Kilometer nach Roundstone befinden sich mehrere kleine Buchten mit malerischen weißen feinen Sandstränden und türkisblauem Wasser. Dort legten wir einen weiteren Zwischenstopp ein, bevor es zu unserem letzten Ziel für diesen Tag ging. Wieder waren wir hier die einzigen Besucher und konnten ungestört die Tiere am Strand – ein paar Vögel und Pferde – bestaunen und die Sonne genießen, die sich wenigstens jetzt mal wieder blicken ließ.

 

Nächtigen wie die Könige in Clifden

Wenn das Wetter auch nicht das allerbeste ist, einen Vorteil hat es, wenn man schon im April nach Irland kommt: Die Unterkünfte, die in der Hauptsaison unbezahlbar sind, kann man sich nun getrost leisten. Deshalb schlugen wir unser Nachtlager diesmal auch in einem Schloss auf. Wir übernachteten für nur 80€ inklusive Frühstück im herrschaftlichen Abbeyglen Castle in Clifden. Von unserem Zimmer aus hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf die „Hauptstadt“ Connemaras, wo wir mit einem Glas Sekt empfangen wurden. Nachdem wir eingecheckt hatten, erkundeten wir zu Fuß zunächst das Schlossgelände und dann die Straßen des einladenden Ortes aus viktorianischer Zeit. Obwohl Clifden nicht sehr groß ist, zieht es jährlich etliche Touristen an. Für 1 bis 2 Nächte ist ein Zwischenstopp hier auch definitiv zu empfehlen. Es bietet darüber hinaus viele gute Restaurants, die leider nicht allzu günstig sind. Im „Off the Square“ ließen wir den Tag gemütlich bei einem heimeligen Kaminfeuer und Kerzenschein ausklingen.

 

Kein Strand wie jeder andere

Frisch gestärkt nach einer erholsamen Nacht im Schlosshotel und nach einem guten irischen Frühstück, machten wir uns auf den Weg weiter gen Norden. Falk wollte unbedingt zum Omey Strand, der bei Ebbe seine gigantischen Ausmaße preisgibt, und dort mit seiner Drohne fliegen. Hier kann man bei Niedrigwasser nicht nur entlang spazieren, sondern sogar mit dem Auto über den Strand fahren. Ja, es stehen sogar überall Verkehrsschilder, damit man sich nicht verfährt! Es gibt nämlich eine kleine Insel, die durch den Strand mit dem Festland verbunden wird. Auf Omey Island leben nur etwa 20 Menschen, die bei Flut gar nicht von ihrer Insel herunterkommen. Sowas haben wir vorher noch nicht gesehen! Das hat uns total beeindruckt. Es war so komisch, wenn auf einmal hier und da ein Traktor oder ein Auto über den mit blauen Schildern gespickten weißen Sandstrand gefahren kam! Aber seht selbst…

 

Alte Schlösser wie aus dem Bilderbuch

Wir folgten dem Wild Atlantic Way weiter in nordöstlicher Richtung und hielten als nächstes an einer berühmten Touristenattraktion Irlands. Die Kylemore Abbey am Lough Pollaacapull gehört zu einer der meist fotografierten Gebäude Irlands und durfte auf unserem Trip durch Connemara trotz Überlaufenheit nicht fehlen. Vor Ort war gerade ein Food Market mit regionalen Delikatessen, wie z.B. Austern, sowie ein Fernseh-Team zu Gange. Den Eintrittspreis von übertriebenen 13€ pro Person für das ehemalige Schloss und den Schlosspark sparten wir uns und genossen den Anblick von weiter weg. Übrigens soll die Kylemore Abbey eine tragische (Liebes-)Geschichte haben, die man hier nachlesen kann.

Einer unserer letzten Zwischenstopps erfolgte dann bei einem weiteren Schloss, dem ebenfalls an einem See liegenden Ballynahinch Castle bei Recess. Es beherbergt ein luxuriöses Schlosshotel und stellt ein schönes Fotomotiv von einer Halbinsel inmitten des Sees aus dar.

Danach machten wir uns langsam auf den Heimweg. Den Connemara Nationalpark ließen wir erstmal aus und hoben ihn uns für einen wärmeren Monat auf. Auf dem Rückweg fuhren wir noch an einigen beeindruckenden Landschaften, z.B. am Lough Inagh Valley, vorbei. Besonders die mit hohen Bäumen gesäumte Insel im Derryclare See mit den Twelve Bens im Hintergrund hatte es uns angetan. Hier kamen wir aber bei weiteren Connemara-Besuchen erneut vorbei und hatten mehr Glück mit dem Licht. Deshalb müsst ihr auf Bilder davon noch etwas warten. 😉
Übrigens war es Freitag, der 13. und ich rutschte bei dem Versuch ein schönes Foto zu machen erstmal komplett im Schlamm am Ufer des Sees aus und landete voll auf dem Rücken. Gut, dass ich Wechselsachen dabei hatte und es sowieso nach Hause ging…

Damit endete ein eindrucksvoller Ausflug in den „wilden Westen“ des County Galway, den wir so schnell nicht vergessen werden. Es folgten noch ein, zwei weitere Besuche in diese Ecke. Wenn euch Connemara also gefallen hat, haltet die Augen offen nach weiteren Blogbeiträgen darüber! 🙂

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