Die Irlandreise im Herbst 2016 hatte uns nachhaltig beeindruckt. Das gar nicht mal so ferne Land der saftig grünen Wiesen, der endlosen und menschenleeren Sandstrände, des fortwährenden Regens, aber auch der tausend Regenbögen, das am westlichen Rand Europas liegt und in dem die Uhren immer noch anders ticken, ging uns seither nicht mehr aus dem Kopf. Unser großes Abenteuer, unser Traum vom Leben in Irland war keine unüberlegte Blitzidee. Wir spielten ein paar Monate lang mit dem Gedanken, bevor wir uns bewusst dafür entschieden und unserer Familie und Freunden davon erzählten. Insgesamt hatten wir mehr als ein Jahr lang Zeit, uns mental darauf einzustellen und uns zu überlegen, welches schöne Fleckchen Irlands uns als Ausgangspunkt für unser Leben dort am besten gefiel. Der kurze Abstecher nach Irland für die Hausbesichtigungen festigte unseren Entschluss.

Voller Vorfreude ging es Anfang März – ein paar Tage später als ursprünglich geplant – mit dem bis unter den Rand gefüllten Auto in Berlin los. Insgesamt sollte der „Roadtrip“ nach Irland fast drei Tage dauern. Der erste Zwischenstopp wurde an der deutsch-holländischen Grenze eingelegt. Am zweiten Reisetag durchquerten wir innerhalb eines Tages sage und schreibe 5 Länder – Holland, Belgien, Frankreich, England und Wales. Zwischen Frankreich und England nahmen wir die Auto-Fähre von Calais. In Wales erfolgte der zweite Zwischenstopp. Am nächsten Tag ging es wieder auf eine Fähre, die uns an die „sonnige“ südöstliche Spitze von Irland nach Rosslare brachte. Dort gibt es sogar Palmen um diese Jahreszeit! Nach einem weiteren Tagesritt kamen wir gegen 23 Uhr erschöpft aber neugierig und aufgeregt in unserem Feriendomizil für die nächsten 16 Tage in Lahinch an. Als wir die Augen schlossen, träumten wir davon, was uns nun erwarten würde…

… und was wir dann sahen, hätten wir uns nicht mal im Traum ausmalen können. Wir hatten ja keine Ahnung, dass das kleine Örtchen an der Westatlantikküste uns so begeistern würde! Eigentlich hatten wir uns die Ferienwohnung eher nach Budget, dem Vorhandensein von WLAN und der zentralen Lage zwischen unseren favorisierten zukünftigen Wohnorten ausgewählt. Schließlich war der Grund dafür, dass wir erstmal „nur“ in einer Ferienwohnung leben würden, der, dass wir noch kein geeignetes Häuschen für unser Auslandsjahr gefunden hatten. Daran konnte auch unsere „house hunt“ Ende Januar, für die wir extra für 4 Tage auf die Insel gereist waren, nichts ändern. Tatsächlich waren wir in einem der beliebtesten Ferienresorts Irlands gelandet – dem Surfmekka schlechthin, das jedes Jahr tausende von Besuchern mit seinem zwei Kilometer langem Sandstrand, seinen perfekten Wellen, seinen großen Golfplätzen und seinem ganz einzigartigen Charme anlockt. Von unserem Wohnzimmerfenster aus konnten wir das sich fortwährend verändernde Meer beobachten. Aus der Nähe gefiel uns der feine Sandstrand Lahinchs aber noch besser. Langen Strandspaziergängen oder –joggingtouren stand nichts mehr im Wege. Von unserer Ferienwohnung aus brauchten wir nur 5 Minuten zu Fuß bis zum tosenden Atlantik, der sich uns jedes Mal wieder von einer anderen Seite zeigte. Wir fühlten uns direkt sehr wohl hier. Einmal mehr begrüßte uns das Land der „Hundred Thousand Welcomes“ – oder auf Irisch: Céad Míle Fáilte (gesprochen: Kay-d Meal-a Fawl-tja).

 

„There are only two kinds of people in the world, the Irish and those who wish they were.“ – unbekannt

Auf uns trifft dieses Zitat definitiv zu. Sicher wissen viele Iren gar nicht, wie gut sie es hier haben. Ein Land umgeben vom Ozean mit einer abwechslungsreichen, wunderschönen Landschaft, einer spannenden Historie, einer geheimnisvollen Mythologie, einer ganz besonderen Sprache und voller entspannter, herzlicher Menschen. Dagegen kann das hektische Leben in Deutschland, voller Leistungsdruck, Überpünktlichkeit, Ellenbogen-Mentalität und dem Streben nach immer mehr – mehr Geld, mehr Besitz, mehr mehr mehr – ganz schön anstrengend sein. Hier dagegen hat man noch nicht vergessen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Hier schert sich niemand, wenn die Kinder erst eine viertel Stunde später zur Schule kommen oder die Brötchen (bzw. die Scones) nicht schon früh um 6 frisch gebacken in der Auslage liegen. Hier wartet man durchaus auch schon mal zwei Wochen auf ein Paket eines namhaften Versanddienstleisters, das man in Deutschland innerhalb eines Tages erwarten kann. Hier ticken die Uhren eben noch anders. Aber um ehrlich zu sein, passt uns das auch gerade ganz gut in den Kram. Wir haben es nicht eilig, wir sind ja hier um aus unserem Hamsterrad rauszukommen, zu genießen, zu erleben, zu reisen und zu entspannen.

2 Gedanken zu „Céad Míle Fáilte

  1. Meine Lieben, wenn ich eure Beiträge so lese, steigt die Spannung und Erwartung, dies alles selber zu sehen ins unermessliche. Mir gefällt auch eure Einstellung zur Eile. Hoffentlich könnt ihr dies alles für euer weiteres Leben bewahren. Das wäre für mich als Mutti, Glückseligkeit. Denn nichts wünschen sich Eltern mehr, als entspannte glückliche Kinder zu haben. Bis bald tausend Küsschen.

    1. Wir freuen uns auch schon ganz doll auf euren Besuch und sind gespannt, wie es euch hier gefällt. Falks Eltern haben wir ja schon mal „überzeugt“. Das hoffe ich auch, aber der Alltag holt einen meist ja doch wieder ein… Bis ganz bald :*

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